Rilke und der Sommer Posted Juli 23, 2015

Will man der Sommerhitze Andalusiens entkommen, tut man dies am Besten beim Erkunden der ehemaligen muslimischen Medina von Ronda und beim Besuch einer der Kirchen auf der Plaza Duquesa de Parcent (Namensgeberin des Platzes war Doña Trinidad von Scholtz-Hermensdorff, Großmutter von Prinz Alfonso de Hohenlohe).

Vorbei am Klarissenkloster der Santa Isabel de los Angeles aus dem XVI. Jahrhundert, öffnet sich ein altes Tor und verschafft uns Zugang auf eine schattige Terrasse. Das Dunkelgrün der Aspidistras laden den erschöpften Besucher ein, durchzuatmen und sich zu erholen. In diesem Moment ist das Paradies nirgendwo näher als hier.
Es waren aber nicht heiße Tage wie diese, die der deutsch-tschechische Dichter Rainer Maria Rilke bei seinem Aufenthalt in Ronda im Dezember 1912 bis Februar 1913 erlebte. Er fühlte das fast magische Verlangen, die kleine Kirche des Klosters am Dreikönigstag zu besuchen und dem Kinderkirchenchor beim Singen der Weihnachtslieder zuzuhören.
Diese mystische Erfahrung in einer Stadt hoch oben in den Bergen, musste ihm wie der Engel vorgekommen sein, derselbe Engel, welcher sich in seinen Versen der “Spanischen Trilogie” und den “Duineser Elegien” wiederfindet.

Im Gleichschritt laufen wir über die gepflasterten Straßen Rondas, versinken in Gedanken und erinnern uns an eine sowohl goldene als auch zerstörerische Zeit des frühen zwanzigsten Jahrhunderts Europas. Für die Berühmtheiten dieser Epoche war es trotz allem eine außergewöhnliche Schaffensperiode. All die Intellektuellen und Künstler des alten Kontinents, sowohl in Paris, als auch an der französischen Riviera, in Italien …

Hotel Victoria (10975216685)

Es ist möglich, dass Rilke aufgrund seiner Faszination für aristokratische Frauen, wie z.B. Lou Salome oder Maria Andrea von Thurn und-Taxis- Hohenlohe auch die Herzogin von Parcent kennenlernte. Diese besuchte Ronda im Jahre 1911, ausdrücklich um im Hotel Reina Victoria am Tage seiner Eröffnung zu nächtigen.
Dasselbe Hotel, in das ihn ein Jahr später seine zukünftige Mäzenin Maria von Thurn und Taxis einlud. Freundin, Gönnerin und gleichzeitig Förderin seiner “Duineser Elegien”.

Ronda erscheint uns nur in der blauen und kalten Luft des Winters reiner und wahrhaftiger. Die Sommerhitze mit ihren flirrenden Luftspiegelungen aber befremdet uns und lässt uns zwischen Realität und Traum zweifelnd zurück.

Hotel Victoria de Ronda (Málaga) (18050460790)