“Ein Mann fühlt sich nicht dem Ort zugehörig, wo er geboren wurde, sondern dem, den er zum Sterben auserwählt hat“.

Gerne würden wir die Geheimnisse entdecken, die Orte wie Ronda verbergen. Aber wenn wir sie wüssten, würden sie uns womöglich nicht mehr interessieren.

Orson Welles letzte und definitive Reise nach Ronda fand am 8. Mai 1987 statt, fast zwei Jahre nach seinem Tod, als er in einem Brunnen auf der Finca “Recreo de San Cayetano” der Familie Ordóñez seine letzte Ruhe fand. Teil seiner Asche befindet sich dort in einem Fläschchen, welches, eingeschlossen in einer kleinen Holzschatulle, von Kalifornien aus bis hierher gereist war.

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50 Jahre zuvor war der zukünftige Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor zum ersten Mal nach Spanien gereist, wo er sich für 4 Monate in Triana, einem Stadtviertel Sevillas, mit gerade mal 17 Jahren einquartierte. Schon damals nahm er an ein paar wenigen Stierkämpfen mit jungen Stieren teil, meist mit einem Freund, dem Schauspieler José Nieto. In jenen Tagen war er noch ein schlaksiger, schmaler Bursche, weit entfernt von seiner späteren, korpulenten Figur.

Wie Hemingway entschied sich auch der junge Welles für die spanische Republik während des Bürgerkriegs. Über das ihm gut geläufige Medium Radio sensibilisierte und überzeugte er sowohl Intellektuelle wie auch Brigadisten für die Sache der Republikaner. Beide Künstler trafen sich im Sommer 1937 während der Synchronisation von “The Spanish Earth“ (Tierra de España), dessen Drehbuchautoren John Dos Passos und Hemingway selbst waren. Der Regisseur des Films entschied, für die Sprechaufnahmen Orson Welles unter Vertrag zu nehmen.

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Stierkampf und Film waren die Gründe, die Welles nach Spanien geführt hatten. Vielleicht auch die Frauen. So verliebte er sich in das Bild einer Tänzerin aus Sevilla, welches auf dem Cover des “Life“ Magazins zu sehen war. Margarita Carmen Cansino, welche später als Rita Hayworth bekannt wurde und die er dann auch heiratete.

Seine Leidenschaft für den Stierkampf, welchen er bisweilen als eine Tragödie in drei Akten bezeichnete in der „es nichts zu verteidigen gäbe, welche aber trotzdem unwiderstehlich sei“ führte ihn immer wieder in die Arenen. Vor allem zwischen 1956 und 1961 konnte man ihn oft sehen, mit seiner gewohnten Zigarre im Mund und an den Absperrungen stehend, starr den Blick durch die Kamera gerichtet, um die Stierkämpfe eines Antonio Ordoñez oder anderen damaligen Berühmtheiten für das italienische, britische oder amerikanische Fernsehen zu verewigen.
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Miguel Martín porträtierte Orson Welles vor der Tür der Plaza de la Real Maestranza de Ronda. Dort, neben Antonio Ordóñez und Julio Aparicio während der Goyesca des 9. Septembers 1964 stehend, erscheint er wie ein Cowboy, groß und kräftig wie John Wayne in “Der Mann der Liberty Valance erschoss“.

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