Besuchen Sie Ronda, wenn Sie wieder mal Spanien kommen sollten. Für eine Hochzeitsreise oder mit Ihrer Freundin. Die ganze Stadt und ihre Umgebung sind wie ein romantisches Bühnenbild. (…) Schöne Spaziergänge, guter Wein, gutes Essen, nichts zu tun …”. (Ernest Hemingway, 1959).

Mai 1959. Ernest Hemingway kommt mit dem Schiff in Algeciras an. Es war seine vierte Spanienreise. Seit 1939 betrat er spanischen Boden nur sporadisch. Entweder als Zwischenstation für andere Reiseziele oder um nur kurz einen Stierkampf zu besuchen. Er hatte versprochen, nicht mehr in dieses Land zurückzukehren, solange ein guter Freund von ihm unter Franco in einem Gefängniss einsass. Zusammen mit der Lincoln Brigade und der XII Internationalen Brigade unter dem ungarischen General Lucasz  sass er in den republikanischen Schützengräben und berichtete als Korrespondent über den spanischen Bürgerkrieg für die nordamerikanische Zeitungsallianz. Für diese schrieb er 30 Chroniken, jeweils 800 Wörter lang. Der spanische Bürgerkrieg beeindruckte ihn zutiefst. Daher kam er nicht als normaler Reisender, sondern als engagierter und professioneller Reporter, der die Gewalt und die Komplexität dieses Konflikts erleben und verstehen wollte.

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Sein Leben stand immer auf des Messers Schneide. Und mit 61 Jahren hatte er schon viel erlebt.

Dieser Aufenthalt 1959 endete im September nach der Corrida Goyesca in Ronda. Er kam, um zusammen mit seinem Freund Antonio Ordoñez, berühmter Stierkämpfer und Sohn von „Niño de la Palma„, den Stierkampf von den Sitzreihen der Arena aus zu verfolgen. Wäre er jünger gewesen, vielleicht hätte er sich wie einer dieser jungen Burschen bei der nächsten Gelegenheit in den Sand geworfen, um dem Stier ins Auge zu blicken, bevor ihn die Guardia Civil verhaftet hätte.

Aber er war bereits ein leicht gebeugter älterer Herr, stämmig und mit weißem Haar, welches er unter seiner Tweedkappe versuchte zu verstecken. Mit ergrauten Bart und Guayaberahemd, so fotografierte ihn Miguel Martín vor der Tür der Real Maestranza de Caballería de Ronda zusammen mit den beiden Ordoñez, Vater und Sohn.

Miguel Martín war der Fotograf, der viele Reisende und Persönlichkeiten, die diese Stadt besuchten, verewigte. Eines seiner bekanntesten Fotos war das mit Juan Belmonte, zusammen mit der Jury, die die Stiere für die Goyesca 1957 auswählte.

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Hemingway wohnte in diesem Sommer nicht in Ronda, sondern er hatte seinen Wohnsitz in der “Cónsula”, einer herrschaftlichen Finca in der Nähe von Málaga, die zu dieser Zeit dem Amerikaner Bill Davis gehörte. Seine Reise hatte zum Ziel, eine Chronik für die Zeitschrift „Life“ über den Zweikampf zwischen Antonio Ordoñez und Luis Miguel Dominguín zu schreiben.  „Dangerous Summer“, deren erwarteter Erfolg aber ausblieb. Auf dieser letzten Spanienreise war er nicht allein. Seine vierte Frau, Mary Welsh, und seine Sekretärin, Valiere, begleiten ihn.

Valiere war eine sehr junge irische Reporterin. Sie machte ein Interview mit dem Nobelpreisträger in Madrid für eine belgische Nachrichtenagentur. Etwas später heiratete sie dann den Sohn des Schriftstellers.

Noch heute findet der Reisende Postkarten mit alten Fotos von Hemingway in den Souvenirläden Rondas. Sein Bildniss ist auch auf den Fliesen des Panoramaweges zu finden, der seinen Namen trägt und welcher entlang des Abgrunds gleich hinter dem Parador verläuft. Er endet vor der weißgekalkten Wand der Stierkampfarena Rondas.

Ich hätte mir gewünscht, ihn hier zu treffen, auch wenn ich weiß, das dies nicht möglich ist, da er vor über fünfzig Jahren sich dafür entschied, diese Welt für immer zu verlassen.

Spanish matador Antonio Ordonez (R) chatting w. his friend, author Ernest Hemingway, in arena before bullfight.  (Photo by Loomis Dean//Time Life Pictures/Getty Images)